Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF)
Physiotherapie Seidler

Kurzinformation – Was ist das PNF-Konzept?

Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (kurz PNF) ist eine physiotherapeutische Behandlungsmethode, welche vor allem bei neurologischen Indikationen Anwendung findet. Das Spezielle an dieser Behandlungsform ist das Verbessern definierter Bewegungsmuster (Pattern), die sich an Alltagsfunktionen orientieren.

Die Methode wurde in den Jahren 1946 bis 1951 in Amerika von dem Neurophysiologen Dr. H. Kabat und den Physiotherapeuten M. Knott und D. Voss entwickelt. Wie andere klinisch etablierte Therapieansätze hat sich auch PNF in den letzten Jahrzehnten durch klinische Erfahrungen und zunehmende wissenschaftliche Erkenntnisse weiterentwickelt.

Was bringt das PNF-Konzept für die Patienten?

  • PNF schult die Wahrnehmung, steigert Geschicklichkeit und Koordination
  • Es hilft beim Anbahnen und Neuerlernen von Bewegungen
  • Es führt zu qualitativer Verbesserung von Bewegungsabläufen
  • PNF kann die Muskelspannung normalisieren (z. B. Verkrampfungen herabsetzen oder schwache bzw. gelähmte Muskeln aktivieren) = fazilitieren
  • Es fördert die motorische Kontrolle
  • PNF kann helfen, die aktive Mobilität und Stabilität von Gelenken und Körperabschnitten zu verbessern
  • PNF hilft bei der Kräftigung von Muskelgruppen

Bei wem wird das PNF-Konzept angewandt?

Eingesetzt wird die PNF-Methode bei Nervenverletzungen in den peripheren Körperregionen oder Erkrankungen des zentralen Nervensystems, wie beispielsweise nach Schlaganfällen, bei multipler Sklerose, Rückenmarkserkrankungen, oder Lähmungserscheinungen aufgrund von Tumoren, Entzündungen oder degenerativen Erkrankungen.

In der Unfallchirurgie wird die PNF-Methode unter anderem zur Behandlung von Brüchen, Muskel-, Band- und Sehnenverletzungen ebenso eingesetzt wie nach Amputationen, Muskelschwächen oder Gelenkveränderungen nach einer langen Ruhigstellung.
In der Orthopädie kommt PNF unter anderem nach Wirbelsäulenoperationen, Hüft- und Kniegelenkendoprothesen, Morbus Bechterew und degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule oder der Bein- und Armgelenke zum Einsatz.

Wie „funktioniert“ das PNF-Konzept?

Das PNF-Konzept basiert auf der Annahme, dass jeder Mensch ungenutzt exsistierende Bewegungsreserven besitzt, deren Einsatz und Nutzung gefördert werden kann. Behandlungsgrundlage von PNF sind definierte Bewegungsmuster (Pattern), die sich an Alltagsfunktionen orientieren.

Das Bewegungsmuster „Dynamische Umkehr“ beispielsweise bedeutet eine kontinuierliche Bewegung von zusammengehörigen beugenden und streckenden Muskelgruppen – ohne zwischenzeitliche Entspannung. Mit „Stretch“ und „restretch“ werden Muskelgruppen (wiederholt) gedehnt, mit „hold-relax“ aktiv und passiv ihre Bewegungsfähigkeit vergrößert. Darüber hinaus kennt PNF noch ein großes Arsenal an Mustern, wie die „stabilisierende Umkehr“, „Anspannen-Entspannen“, „Rhythmische Stabilisation“ oder die „Betonte Bewegungsabfolge“.
Je nach Krankheitsbild werden nun verschiedene Elemente immer wieder neu zusammengestellt.

Bei der Nachbehandlung eines Armbruches kommen beispielsweise die Bewegungsmuster „Rhythmische Bewegungseinleitung“, „Agonistische Umkehr“, „Wiederholte Kontraktion“ oder „Betonte Bewegungsabfolge“ zum Einsatz. Der Patient erlernt ein komplexes Muster nach dem anderen und kann so nach und nach den gesamten Arm-Bewegungsbereich trainieren.

Bei der Behandlung von motorischen Störungen orientiert sich die PNF-Methode an den verschiedenen Entwicklungsstufen des kindlichen Laufenlernens.
Einem Patienten mit motorischen Störungen kann etwa zuerst das Robben beigebracht werden, dann der Ellbogenkniestand und später den Vierfüßlerstand, bis er über Kniestand, Kniegang und Stand das Gehen (wieder)erlernt. Jede neue Ausgangsstufe wird stabilisiert, bevor das nächste Bewegungsmuster geübt wird.

Vereinbaren Sie gleich einen Termin unter (030) 401 30 51